Über mich
...und das kam so
Geboren bin ich 1970 in einer Kleinstadt am Rand der Eifel. Traditionell ein strukturschwacher Raum hat man es in dieser Gegend schwer mit schöngeistigen Dingen. In erster Linie geht es um Bodenständigkeit; es geht darum, eine Arbeit zu finden, die einem das Überleben sichert. Zumindest war das im Arbeitermilieu so, dem ich entstamme. „Der Junge macht eine Lehre“ hieß es in meiner Familie, womit eine Lehre als Schlosser oder Schreiner gemeint war, wenn man nicht über zwei linke Hände verfügte. Sonst wurde man Kaufmann im Einzelhandel oder ging zur Post. Ich kann mich erinnern, dass ein Junge in meiner Klasse Steinmetz werden wollte – das fand ich schon sehr exotisch…
Die Beweggründe, die mich als Junge in die örtliche Bücherei getrieben haben, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Ich fing mit klassischen Kinderbüchern von Erich Kästner und Astrid Lindgren an. Wahrscheinlich auf Vorschlag der dortigen Mitarbeiterin, denn ich hatte keinen Schimmer von irgendwas. Später fand ich den Weg zu meinem ersten Helden: Hermann Hesse! Er war Autodidakt und ausgesprochener Befürworter von Individualität. Außerdem formulierte er in einfacher aber feiner Sprache. Vom „Steppenwolf“ war ich beeindruckt und gleichzeitig fing ich an, Hesses Gedichte zu lesen. Im „Felix Krull“ von Thomas Mann begeisterten mich dessen Band - wurmsätze und die Präzision der Beschreibungen, obwohl dies alles in völligem Gegensatz zu meiner mich umgebenden alltäglichen Sprache stand.
Nach Lehre und Zivildienst schaffte ich auf Vorschlag und Drängen eines Zivi-Kollegen und Freundes den Absprung, raus aus der Eifel, auf nach Köln!
Dort fiel mir Erich Fromms „Haben oder sein“ in die Hände und irgendwer schob mir was von Bukowski unter. Damit war es ein für alle Mal vorbei mit den gereimten „alten“ Gedichten und ich entdeckte sowohl die alltagssprachliche Lockerheit und Direktheit darin, als auch den Humor und die Toleranz Bukowskis! Dass er nur auf seine Sauf – und Fickgeschichten reduziert wird, verstehe ich bis heute nicht.
Schon in der Eifel hatte ich angefangen, Bass zu spielen.
Eine Punkband brauchte einen Bassisten und so kaufte ich einen Bass samt Verstärker und war eben dann deren Bassist – mit meiner steifen „Ein-Finger Verschiebetechnik“ für drei Akkorde. Ich hörte immer noch die Beatles und Simon and Garfunkel nebenher – heimlich und mit beklemmendem Schamgefühl kam ich mit LPs aus Köln zurück und hoffte, dass keiner meiner Kumpel mich damit sehen würde. Bei jeder Platte las ich mir sofort die Texte durch und merkte, dass die Musik dadurch an Tiefe gewann. Und so halte ich es bis heute: was will der Typ oder die Frau mir da erzählen?
Auch in Köln spielte ich in mehreren kleinen Bands und nebenher probierte ich mich am Schlagzeug, was meine seit Jahren unterdrückte wahre Liebe war. Literarisch besorgten es mir die Amerikaner weiterhin gut:
Thoreau, Salinger, Whitman.
Letzterer war mal wieder eine Entdeckung, die einen für immer verändert:
warum sollte man noch Gedichte schreiben, wenn es doch „Den Gesang von mir selbst“ gibt?
So musste ich erst die 40 hinter mir lassen, um ernsthaft mit dem Schreiben zu beginnen – egal, was es schon alles gab!
Die eigene Stimme finden, aufrichtig sein, unprätentiös, einen kleinen Beitrag leisten.
„Worte, nicht als etwas Kostbares, sondern als etwas Notwendiges.
Dennoch, setzen Zweifel an meiner Fähigkeit ein, mit Worten zu arbeiten,
lese ich einfach einen anderen Autor und dann weiß ich, dass ich mir
keine Sorgen machen muss. Ich konkurriere nur mit mir selbst, um es
richtig zu machen – mit Energie und Kraft, mit Freude und mit Wagnis!“
>>> aus dem Bukowski-Film “Barfly“

Tom Waits:
" The world is a hellish place, and bad writing is destroying the quality of our suffering! "
Martin Kippenberger:
" Ich brauch keinen Lektor, ich kann mich selber lenken, wenn ich mich wieder bücken kann. Und ich lach darüber, wenn jemand das nicht haben will oder nur ein Buch davon verkaufen will oder es nicht drucken will . . .
ich lach mich tot! "

